VERFLUCHT NORMAL– Seit dem 28. Mai in ausgewählten deutschen Kinos!
Dass ein unkontrollierbares „Problemkind“ mal mit dem Orden des British Empire ausgezeichnet werden würde, damit hätte wohl niemand gerechnet, am allerwenigsten John Davidson selbst. In den frühen 1980er Jahren wächst John (Scott Ellis Watson) in einer schottischen Kleinstadt auf, als er im Alter von 12 Jahren beginnt unter heftigen Nerventics zu leiden. Mit dem Ausbruch einer erst Jahre später als Tourette-Syndrom diagnostizierten Erkrankung wird sein Leben zu einem endlosen Spießrutenlauf. Weder in der Schule noch zuhause werden seine Tics und spontan ausgestoßenen Flüche als Symptome gesehen, sondern er wird ermahnt, gehänselt und sogar bestraft. Fast 15 Jahre später lebt John (Robert Aramayo) mit Mitte 20 noch bei seiner Mutter (Shirley Henderson). Er nimmt so starke Medikamente, dass ihm die Nebenwirkungen fast jeden Lebensmut rauben. Die zufällige Begegnung mit seinem Schulfreund Murray und dessen Mutter Dottie (Maxine Peak) bringt endlich eine Wendung. Dottie ist Krankenschwester und akzeptiert John, wie er ist. Sie nimmt ihn in ihrer Familie auf und findet sogar einen Job für ihn als Assistent des Gemeindezentrum-Hausmeisters Tommy (Peter Mullan). Ein aberwitziges Vorstellungsgespräch, bei dem Tommy wie kein anderer auf Johns Tics und Flüche reagiert, legt den Grundstein für eine innige Freundschaft zwischen den beiden. Und langsam findet John den Mut und die Zuversicht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen und erkennt, wie wertvoll seine Erfahrungen auch für andere sind.
Als perfekte Mischung aus sozialrealistischem Drama und warmherziger Underdog-Komödie vereint VERFLUCHT NORMAL gleich zwei große britische Kinotraditionen. Basierend auf dem Leben des echten John Davidson, der schon im Zentrum mehrerer BBC-Dokumentationen stand, erzählt VERFLUCHT NORMAL mit einfühlsamen Humor und großer Wärme davon, wie er trotz seiner Tourette-Erkrankung, trotz Ausgrenzung und mangelndem Verständnis seinen Weg findet und schließlich zu einem der bekanntesten Aktivisten für mehr Tourette-Aufklärung wird. Ein zutiefst berührendes Drama, das mit Lebenslust und feinen Witz vom Leben mit Tourette erzählt und von der Sehnsucht, so akzeptiert und gesehen zu werden, wie man ist.
In seinem Heimatland Großbritannien avancierte der Film nicht nur zum absoluten Publikumsliebling und Box Office Hit, sondern erhielt auch diverse Auszeichnungen, u.a. wurde Robert Aramayo als Bester Hauptdarsteller bei den British Independent Film Awards ausgezeichnet, bei den BAFTAs gewann er nicht nur den Preis für den Besten Hauptdarsteller, sondern auch noch den Rising Star Award als Bester Newcomer. Zusätzlich gewann der Film den Preis für das Beste Casting, war insgesamt für 6 BAFTAs nominiert.
Hier gehts zum Trailer auf YOUTUBE
Nach diesem Pressetext möchten wir verschiedene Meinungen zum Film transparent als Filmkritiken darlegen:
Rezension von Kathrin Vollbrecht-Palitzsch (ehemalige Kassenwärtin)
Gewaltig, emotional, aufklärend
„Ich glaube, dass Tourette nicht das Problem ist, sondern, dass die Menschen nichts über Tourette wissen.“ (Tommy)
Wie fühlt sich das Tourette -Syndrom an, in einer Zeit, in der es dafür keine schnelle Diagnostik und kein Verständnis gab? Der Willkür von Tics unterworfen, dem äußeren Fluch der allgemeinen Unwissenheit und die eigene Ohnmacht, zeigt dieser Film auf stellenweise brutale Weise. Eindringlich wird die Vereinsamung von John und das beständige Aushalten der Situation beschrieben, bis zu dem Zeitpunkt, als Dottie in sein Leben tritt. Beharrlich sorgt die Krankenschwester dafür, dass John wieder Teil der Gesellschaft wird, sein Leben selbstbestimmt führt und Tommy der Hausmeister ihm den Weg zur öffentlichen Aufklärung über das Tourette-Syndrom weist. John hatte Glück mit Menschen, die den Mut fanden ihn zu integrieren, seine motorischen und verbal lauten, teils aggressiven Tics, auszuhalten. Ein dramaturgisch gelungener Spannungsbogen, ehrlich und bittersüß.
John Davidson, hat das Tourette-Syndrom in seiner schwersten Ausprägung. Aufsehen erregend und publikumswirksam, aber eben nur eine Variante des Spektrums. Ungesehen bleiben wieder die Menschen, die still leiden, da keine Medikation wirklich greift, oder die Tics zu „leicht“ sind, um sie zu behandeln, aber dennoch schmerzhaft sein können und unangenehm, zur Arbeitsunfähigkeit führen oder sozial isolieren.
Dennoch ein sehr gelungener Film für Außenstehende, zum Aufklären und Mut für die Auseinandersetzung mit neurodiversen Menschen zu finden. Wir sind alle einen Tic einzigartig und gleichermaßen interessiert an einem verständnis- und respektvollem Umgang für mehr Lebensglück.“
Rezension von Herrmann Krämer (Ehrenamtler & Tourette Aktivist)
„Es hat länger gedauert bis ich mir diesen „Tourette-Film“ anschauen konnte. An meinem Wohnort Speyer wird diese Produktion immer noch nicht gezeigt, das bedeutete in eine in der Nähe gelegene größere Stadt zu fahren. Gestern, 10. Juni 2026 war es dann so weit, Luxor Filmpalast Heidelberg, Beginn 15:30 Uhr.
Als der Film „Verflucht normal“ begann saßen nur vier Personen in der Vorstellung: Susanne und ich und zwei weitere Gäste.
Ich will nicht so viel Worte machen und gleich auf den Punkt kommen: Ein absolut eindrucksvoller Film mit viel Dramaturgie und vielen dramatischen Szenen. Die gezeigte Tourette-Symptomatik ist sehr ausgeprägt, um nicht zu sagen -> extrem. Nach meinen Informationen leben 3-5% der Tourette-Betroffenen mit diesem Ausprägungsgrad. Einige Male war ich geschockt von der Heftigkeit.
Darf ich als Admin einer Tourette-Facebookgruppe mit mehr als 2.000 Betroffenen und Angehörigen so denken? Oder muss/sollte ich für alles Verständnis haben? Ein weltweit beworbener Film wird das Image des Tourette-Syndroms wieder mal entscheidend prägen und das könnte sich auch auf mein und das Leben anderer Touretter/innen auswirken. Ich habe nicht in Erinnerung, dass in dem Film irgendwo erwähnt wurde, dass wenige Betroffene diesen Grad der Symptomatik durchleben müssen. Oder habe ich das übersehen oder überhört?
Was, wenn Eltern mit frisch erkrankten Kindern/Jugendlichen diesen Film anschauen? Ein Horrortrip? Denken Sie dann, das ist die Zukunft meines Kindes, meiner Tochter, meines Sohnes?
Der Film steckt voller herzzerreißender Szenen. Am schlimmsten der brutale Zwischenfall und Überfall von Männern, die von einer Frau „beauftragt“ wurden, die JOHN davor mit „Schlampe“ betitelt hatte. Eine Erklärung, er lebe mit „Tourette“ half nicht. Schwer verletzt wacht er auf im Krankenhaus.
Ein Glücksfall für das Verständnis der Symptomatik und die weitere Entwicklung ist die Protagonistin „Dottie“, eine ehemalige Pflegerin in der Psychiatrie.
Zum Ende hin noch ein kommerzieller Schwenk zum neuen „Neupulse-Gerät“ (Marktzulassung Großbritannien geplant für Sommer 2026), dass die Symptome von John Davidson massiv senkt. Erstmals erfüllt er sich den Traum in eine Bibliothek zu gehen.
Ich war irgendwie froh, als die 121 Film-Minuten zu Ende waren und das permanente Feuerwerk an Tourette-Symptomen und Zwängen aufhörte. Temporär konnte ich mich nicht abgrenzen und wiederholte auch einige seiner Aussagen (Echolalie, Echophänomene).
JOHN DAVIDSON ist mir schon lange bekannt. Vor ungefähr 20-25 Jahren gab es aus meiner Erinnerung erstmals Ausschnitte aus britischen Reportagen über seine neurologischen Herausforderungen im deutschen TV zu sehen.
Mit den zwei weiteren Gästen hatten wir nach Filmende noch eine spannende Unterhaltung über die Realitäten des Tourette-Syndroms.
Diese Filmproduktion wird bei vielen Zuschauer/innen in Erinnerung bleiben. Vielleicht wird es nötig sein hier und da zu intervenieren, um einer neuen Klischeebildung entgegenzutreten und zu sagen: das ist nicht die generell anzutreffende Ausprägung des Tourette-Syndroms.
Habe ungefähr 30 Kurzinfoflyer an der Kasse des Kinos ausgelegt mit Einverständnis des Betreibers.
VERFLUCHT NORMAL (I SWEAR) hier angeschaut: Luxor Filmpalast Heidelberg: https://heidelberg.luxor-kino.de/de
Mit tourettischen Grüßen
Hermann Krämer“
Rezension von Prof.in Dr.in Kirsten Müller-Vahl (Wissenschaftlicher Beirat)
„Ein Tourette-Syndrom wie in dem Film ,Verflucht normal‘ gibt es auf der ganzen Welt nicht“
Interview mit dem Deutschen Ärzteblatt hier nachzulesen:
https://www.aerzteblatt.de/news/ein-tourette-syndrom-wie-in-dem-film-verflucht-normal-gibt-es-auf-der-ganzen-welt-nicht-96136f7c-4393-47fb-b7c8-7c065a13ce19
Rezension vom IVTS e.V. (Interessensverband für Tic & Tourette Syndrom e.V.; kooperierende Selbsthilfeorganisation)
„Ein Film, der berührt
Mit „Verflucht normal“ kommt erstmals seit langer Zeit wieder ein Kinofilm auf die große Leinwand, der das Tourette-Syndrom ins Zentrum seiner Geschichte stellt. Der Film basiert auf dem Leben des Briten John Davidson und begleitet seinen oft steinigen Weg durch eine Gesellschaft, die seine Symptome kaum versteht und häufig mit Ablehnung reagiert.
Aus unserer Sicht ist „Verflucht normal“ ein schauspielerisch überzeugender und emotional sehr eindrucksvoller Film. Die Hauptfigur wird glaubwürdig dargestellt, die Belastungen durch die Erkrankung werden nachvollziehbar vermittelt und viele Szenen gehen spürbar unter die Haut. Besonders hervorzuheben ist, dass der Film deutlich mehr Informationen über das Tourette-Syndrom vermittelt als frühere Filmproduktionen zu diesem Thema.
Stimmen aus der Tourette-Community
Viele Besucherinnen und Besucher beschrieben den Film als „bewegend“, „erschütternd“ und „wichtig“. Zahlreiche Betroffene und Angehörige berichteten, dass sie sich in Teilen der Geschichte wiederfinden konnten. Andere äußerten jedoch auch Sorgen, dass die gezeigte Symptomatik bei Menschen ohne Vorwissen einen falschen Eindruck vom Tourette-Syndrom hinterlassen könnte.
Diese Diskussion halten wir für wichtig.
Eine schwere, aber reale Lebensgeschichte
Der Film zeigt eine sehr ausgeprägte Form des Tourette-Syndroms. Die dargestellten Symptome gehören nicht zu dem Bild, das die Mehrheit der Betroffenen im Alltag erlebt. Gleichzeitig basiert die Geschichte auf einer realen Person. Der Film erzählt also keine erfundene Extremversion, sondern das Leben eines Menschen, der tatsächlich mit einer außergewöhnlich schweren Symptomatik konfrontiert war.
Bei der Einordnung hilft aus unserer Sicht ein Blick auf die Zeit, in der die Handlung spielt. Die Geschichte beginnt in den 1980er-Jahren – einer Epoche, in der Wissen über das Tourette-Syndrom deutlich geringer verbreitet war als heute. Viele der gezeigten Reaktionen von Mitmenschen, Lehrkräften, Behörden oder medizinischem Personal spiegeln diese damalige Realität wider. Die heutige Situation ist zwar keineswegs frei von Vorurteilen, aber die Aufklärung hat seitdem erhebliche Fortschritte gemacht.
Warum die Einordnung wichtig ist
Ein weiterer Aspekt beschäftigt uns als Selbsthilfeorganisation besonders: Während der Corona-Pandemie wurde das öffentliche Bild des Tourette-Syndroms durch soziale Medien teilweise massiv verzerrt. Damals standen vor allem Personen mit funktionellen Bewegungsstörungen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Extreme Verhaltensweisen wie das Werfen von Gegenständen, situationsabhängige Beschimpfungen oder spektakuläre Ausbrüche wurden millionenfach geklickt, kommentiert und oft sogar gefeiert. Viele Zuschauer hielten solche Darstellungen für typisch für Tourette, obwohl sie nicht das Bild der Betroffenen widerspiegeln.
Vor diesem Hintergrund erscheint es umso wichtiger, „Verflucht normal“ differenziert zu betrachten. Der Film zeigt eine schwere Ausprägung einer neurologischen Erkrankung und in unserer Wahrnehmung auch Symptome, die an funktionelle Bewegungsstörungen erinnern können. Er erhebt jedoch nicht den Anspruch, die Lebensrealität aller Menschen mit Tourette abzubilden.
Die wichtigste Botschaft des Films
Besonders wertvoll finden wir die zentrale Botschaft des Films. Im Kern erzählt er nicht nur von Tics, Zwängen und Ausgrenzung. Er erzählt von Menschen, die an jemanden glauben. Von Menschen, die nicht wegsehen, sondern bleiben. Von Unterstützung, Akzeptanz und Vertrauen.
Gerade die Figur Dottie macht deutlich, welchen Unterschied Verständnis und echte Zuwendung im Leben eines Betroffenen machen können. Diese Botschaft zieht sich durch den gesamten Film und dürfte viele Zuschauer noch lange nach dem Kinobesuch begleiten.
Begleitung durch die Selbsthilfe
Der InteressenVerband Tic & Tourette Syndrom e.V. (IVTS) und die Tourette-Gesellschaft Deutschland e.V. (TGD) haben gemeinsam mit ehrenamtlichen Mitstreitern mehrere Kinovorführungen mit der Aktion „Frag uns zu Tourette“ begleitet, unter anderem in Nürnberg, Hamburg, Dortmund, Stuttgart und Hannover. Ziel war es, Fragen zu beantworten, Vorurteile abzubauen und den Film in den aktuellen Wissensstand über das Tourette-Syndrom einzuordnen.Wir sind zudem dankbar, dass der IVTS die Möglichkeit hatte, an den Inhalten des offiziellen Kinoflyers sowie des Presseheftes mitzuwirken. Besonders freuen wir uns darüber, dass unsere fachliche Expertise und die Perspektive der Selbsthilfe dort Berücksichtigung gefunden haben. Dies zeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Filmschaffenden, Fachleuten und Betroffenenorganisationen ist, um ein möglichst differenziertes Bild des Tourette-Syndroms zu vermitteln.
Unser Fazit
„Verflucht normal“ ist kein leichter Film. Er ist emotional, teilweise schmerzhaft und zeigt die harten Seiten einer schweren Erkrankung. Gerade deshalb regt er zum Nachdenken an. Wer ihn sieht, sollte sich bewusst sein, dass die dargestellte Symptomatik nicht für alle Menschen mit Tourette steht.
Wer dies berücksichtigt, erlebt einen eindrucksvollen Film über Ausgrenzung, Menschlichkeit, Hoffnung und die Bedeutung von Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten an einen glauben.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Films.
Wer dies berücksichtigt, erlebt einen eindrucksvollen Film über Ausgrenzung, Menschlichkeit, Hoffnung und die Bedeutung von Menschen, die trotz aller Schwierigkeiten an einen glauben.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieses Films.“
Original hier abzurufen: https://iv-ts.de/filmrezension-verflucht-normal-bewegend-eindrucksvoll-und-anlass-zum-gespraech/
