Was ist das Tourette-Syndrom / sind Tic-Störungen?

Das Tourette-Syndrom (TS) ist eine neuropsychiatrische Erkrankung, die sich in sogenannten Tics äußert. Unter Tics versteht man spontane Bewegungen, Laute oder Wortäußerungen, die ohne den Willen des Betroffenen zustande kommen und nicht zweckgebunden sind. Vergleichbar ist das mit dem Niesen oder einem Schluckauf. Die Bewegungen laufen oft wiederholt in immer gleicher Weise ab, sind aber nicht rhythmisch. Sie können einzeln oder in Serie auftreten. Tourette beginnt meist in der Kindheit, seltener auch in der Jugend oder jungen Erwachsenenalter. Gerade jüngere Kinder machen häufig eine Phase mit Tics durch, die nach einigen Monaten wieder von alleine verschwinden. Treten komplexe vokale und multiple motorische Tics kombiniert auf, spricht man von dem Tourette-Syndrom. Hierunter fallen auch Tic-Störungen, die mehrmals täglich, ohne Rückbildung (Remission) über die Dauer eines Jahres  (= chronische Tic-Störung) auftreten und sich vor dem 18. Lebensjahr manifestiert haben.

Der psychische Leidensdruck der Betroffenen, ist aufgrund der auffälligen, nicht kontrollierbaren Symptome in manchen Fällen hoch – insbesondere beim Tourette-Syndrom. Die Komplexität mancher Tic-Störungen ruft mitunter bei der Umwelt (Familienmitglieder, Freunde, Lehrer) großes Erstaunen und auch Ärger oder Zurückweisung hervor. Viele Nicht-Betroffene können sich nicht vorstellen, dass diese Handlungsweisen und Lautäußerungen tatsächlich unwillkürlich und krankheitsbedingt sind, z.B. da die Betroffenen zumindest zeitweise eine Kontrolle über ihre Tics erlangen können. Manche Personen fühlen sich durch die Tics provoziert; insbesondere wenn es sich um Koprolalie/Kopropraxie handelt. Daher sind berechtigte Angst vor Spott aufgrund der Tics und auch Schamgefühle sehr häufig bei Kindern und Jugendlichen mit chronischen Tic-Störungen bzw. Tourette-Syndrom zu finden. Anderseits sind viele Betroffene gut sozial integriert, sofern die Symptomatik nicht zu ausgeprägt ist oder sie in einem aufgeklärten Umfeld aufwachsen.

Häufig bemerken die betroffenen Kinder ihre Tics zunächst  gar nicht. Meistens werden die Eltern bzw. Erzieher auf diese – in ihren Augen – Verhaltensauffälligkeiten aufmerksam. Sie fühlen sich oftmals gestört, machen sich Sorgen und überlegen, ob sich nicht Erziehungsfehler dahinter verbergen können, selbst wenn die sonstige Entwicklung der Kinder gut verläuft. Bei den meisten Betroffenen bessern sich die Symptome nach der Pubertät oder verschwinden sogar ganz. Andere begleiten die Tics durchs ganze Leben. Jungen sind viermal so oft betroffen wie Mädchen. Die Gründe dafür sind bislang unbekannt. Experten schätzen, dass rund ein Prozent der Menschen ein Tourette-Syndrom entwickeln – in Deutschland wären das ungefähr 800.000 Menschen.

Erklärvideo

Auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen liegt die Häufigkeit der Erkrankung bei ca. 1 Prozent der Gesamtbevölkerung und ist somit keine seltene Erkrankung.