Ursachen

Die Ursachen des Tourette-Syndroms sind bislang nur ansatzweise erforscht. Man geht davon aus, dass es zum größten Teil genetisch veranlagt ist. So ist das Tourette-Risiko für Kinder, deren Eltern das Syndrom haben, zehn- bis hundertmal höher als für Kinder ohne Tourette-Syndrom in der Verwandtschaft. Damit es sich entwickelt, müssen zusätzliche Auslöser in der Umwelt (nicht-genetische Faktoren) hinzukommen. Dazu zählen zum Beispiel negative Faktoren während der Schwangerschaft und Geburt wie Rauchen und psychosozialer Stress in der Schwangerschaft, Frühgeburtlichkeit und Sauerstoffmangel bei der Geburt. Außerdem gelten auch bakterielle Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A als mögliche Auslöser des Tourette-Syndroms.

Die Entstehung des Tourette-Syndroms wird auf eine Störung im Botenstoffwechsel des Gehirns zurückgeführt. Insbesondere der Neurotransmitter Dopamin steht im Fokus der Forschung: Dopamin ist im Gehirn für das Weiterleiten von Informationen wichtig. Untersuchungen haben unter anderem gezeigt, dass die Zahl der Dopamin Rezeptoren im Gehirn der Patienten mit Tourette-Syndrom erhöht ist. Aber auch ein gestörter Serotonin-, Noradrenalin-, Glutamin- und Opioid Haushalt sowie die Wechselwirkungen zwischen diesen Stoffen scheinen eine Rolle zu spielen. Die Störungen manifestieren sich vor allem in den sogenannten Basalganglien. Diese Hirnareale befinden sich in den tieferen Strukturen beider Gehirnhälften und erfüllen eine Art Filterfunktion. Sie regulieren, welche Impulse ein Mensch in Handlungen umsetzt und welche nicht.

Die Basalganglien (violett) und ihre anatomisch-funktionellen Nachbarstrukturen
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Basalganglien

Symptome

Die aktuell gültige Fassung der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10). Ein Tourette-Syndrom äußert sich in sogenannten Tics, der Begriff Tic stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Zucken“. Zu Beginn einer Tic-Störung kommt es meist zu einfachen motorischen Tics, wie Blinzeln oder Bewegungen im Oberkörperbereich. Vokale und/oder komplexere Tics können folgen.

Motorische Tics

Einfache motorische Tics sind beispielsweise Augenzwinkern, Schulterzucken, Kopfrucken oder Grimassen schneiden. Komplexe motorische Tics sind das Berühren von Gegenständen oder Menschen, Körperverdrehungen oder Gliederzucken. Auch obszöne Gesten können auftauchen (Kopropraxie). Manchmal kommt es zu selbstverletzenden Handlungen – die Betroffenen schlagen ihren Kopf gegen die Wand, kneifen sich oder stechen sich mit einem Stift.

Vokale Tics

Einfache vokale Tics äußern sich beispielsweise in Lauten wie Räuspern, Quieken, Grunzen, Schnüffeln oder Schnalzen mit der Zunge.
Komplexe vokale Tics sind Wörter oder Sätze, die herausgeschleudert werden und in keinem logischen Zusammenhang mit der Situation stehen. Häufig sind das Obszönitäten oder Schimpfwörter (Koprolalie). Die Koprolalie ist kein essenzielles Merkmal des Tourette-Syndroms und tritt auch bei anderen neuropsychiatrischen und neurodegenerativen Erkrankungen auf. Manchmal kündigen sich die Tics durch sensomotorische Vorzeichen an, beispielsweise Kribbeln oder Spannungsgefühle. Diese unangenehmen Empfindungen verschwinden, wenn der Tic ausgeführt wird. In der Regel bemerken aber auch die Betroffenen den Tic erst mit seinem Auftauchen. Tics haben typischerweise einen schwankenden Verlauf in Häufigkeit, Stärke und Art. Für die vor allem längerfristigen (Wochen bis Monate) Schwankungen ist häufig keine Ursache erkennbar. Andererseits gibt es kurz- bis mittelfristige Verstärkung von Tics in bestimmten Schwellensituationen wie Kita-Wechsel, Einschulung, Umschulung, Wechsel auf eine weiterführende Schule, Wohnortwechsel, längeren ferienfreien Schulzeiten, Beginn der Pubertät oder ganz individuellen Stresssituationen für die Kinder und Jugendlichen, wie z. B. Trennung der Eltern, Ärger in der Schule, steigende Belastung, Stress mit Gleichaltrigen.